Selbstmorde wegen Mikrokredite in Indien

Indien meldet immer mehr Selbstmorde, die im Zusammenhang mit Mikrokrediten stehen.

Noch vor wenigen Jahren wurden Mikrokredite hoch gefeiert. Der Erfinder dieser Kreditart bekam sogar den Nobelpreis verliehen. Die Situation hat sich aber dramatisch verschlechtert. Immer negativere Schlagzeilen wurden seitdem von Mikrokrediten erzeugt. Die Nachricht der Selbstmorde passt daher in das Bild, und reiht sich nahtlos ein, in das negative Bild der Mikrokredite.

Am Anfang wurden Mikrokredite als wirksames Instrument zur Bekämpfung der Armut in der dritten Welt angesehen. Doch schon bald witterten viele Kreditgeber das grosse Geschäft, und deklarierten ihre Kredite auch als Mikrokredite. An Sicherheiten wurde nicht gedacht. Das Geld wurde ohne Bonitätsprüfung vergeben, und das mit teils horrenden Zinsen. Viele Kreditnehmer hatten noch keine Erfahrungen mit solcher Art von Geschäft. Sie nahmen sich oft 3-4 Mikrokredite von verschiedenen Anbietern gleichzeitig auf, und konnten diese natürlich niemals zurückzahlen.

Die Rache der Mikrokredit Anbieter war grausam. Töchter wurden in Bordelle genötigt, oder die Schuldner so unter Druck gesetzt, dass sie nur noch den Selbstmord als letzten Ausweg sahen. Zumindest sah sich die indische Regierung nun in der Pflicht etwas gegen die untragbaren Zustände zu unternehmen. Kreditgeber wurden verpflichtet die Zinsen zu senken und die Kreditrückzahlungen immer nur einmal im Monat abzuwickeln als jede Woche. Das hatte einigen übermotivierten Kreditgebern etwas den Wind aus den Segeln genommen.

Die Situation soll sich jetzt etwas beruhigt haben. Doch die Frage bleibt dennoch bestehen. Sind Mikrokredite eher Fluch oder Segen? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte und es kommt auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen an, welche die Regierung den Geldverleihern vorgibt.

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